Antifa Workcamp

Blumen für Stukenbrock

60. Jahrestag der Befreiung

Internationale Gedenkveranstaltung am 02. April 2005 um 16.00 Uhr auf dem Friedhof

Presseecho:

Neue Westfälische , 04.04.2005:
Mit aller Kraft gegen Neonazismus / Gedenkfeiern in Stukenbrock

Stukenbrock (epd). Landesminister Wolfram Kuschke und der Arbeitskreis "Blumen fiir Stukenbrock" haben dazu aufgerufen, dem Neonazismus die Grundlagen zu entziehen. Es gehe darum, sich mit aller Kraft gegen rechtsextremes Gedankengut zu stemmen, sagte der NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock bei Gütersloh am Wochenende. Dort wurde bei einer internationalen Gedenkfeier an die Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 vor 60 Jahren erinnert.
Bereits am Freitag gedachten Vertreter der Bezirksregierung Detmold sowie des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge der Opfer des Kriegsgefangenenlagers. Gedenktage können nach Ansicht von Regierungsprasident Andreas Wiebe (Grüne) nicht die Welt, jedoch die Sicht auf die Vergangenheit verändern. Der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Reinhard Führer, erinnerte an das Leid, das von dieser Stelle ausging. Begleitet wurde die Gedenkfeier von orthodoxen Gebeten und christlichen Fürbitten.

Westfalen-Blatt, 04.04.2005
Obelisk erhält rote Fahne zurück / Russischer Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne wird umgestaltet

Von Matthias Kleemann
Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der Obelisk auf dem russischen Ehrenfriedhof in Stukenbrock-Senne soll wieder in seinen ursprünglichen Originalzustand versetzt werden. Lange hatten Überlebende des Stammlagers (Stalag) 326 diese Bitte wiederholt, sie ist nun offenbar auf offene Ohren gestoßen. Wolfram Kuschke, Minister für Bundes-, Europaangelegenheiten und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen, teilte dies am Samstag den Teilnehmern einer Gedenkfeier auf dem Ehrenfriedhof mit.
Das Stalag 326 wurde am 1. April 1945 von amerikanischen Soldaten befreit. Sowjetische Gefangene errichteten daraufhin aus Dankbarkeit einen Obelisken, der von einer roten Fahne aus Glas gekrönt war. Zu Zeiten des kalten Krieges wurde die Fahne gegen ein orthodoxes Kreuz ausgetauscht.
Noch vor kurzem verlautbarte aus dem Detmolder Regierungspräsidium, der Obelisk stehe in seinem jetzigen Zustand unter Denkmalschutz und dürfe deswegen nicht verändert werden. Wie Wolfram Kuschke jedoch am Samstag sagte, habe Städtebauminister Michael Vesper das Denkmalschutzverfahren bereits im vergangen Jahr an sich gezogen. Entscheidend sei, dass die Abstimmung zwischen russischer Regierung und der orthodoxen Kirche gelinge. Doch habe letztere bereits ihre Zustimmung signalisiert, wenn das orthodoxe Kreuz an anderer Stelle auf dem Friedhof aufgestellt werde.
Kuschke rechnet damit, dass die rote Fahne noch in diesem Jahr wieder auf dem Obelisken montiert wird.

Unsere Pressemitteilung
„8.610 vor Hunger wahnsinnig gewordene Gefangene, wie Tiere in Dreck und Elend gehalten“, berichtete der US-Kriegsberichterstatter John Mecklin, als er zusammen mit der US-Armee am 2. April 1945 im Stalag 326 in Stukenbrock eintraf. 65.000 Gefangene hatten das Lager seit 1941 nicht überlebt, ihre Körper wurden auf dem heutigen Sowjetischen Soldatenfriedhof in 36 Massengräbern verscharrt. 60 Jahre Befreiung von Stukenbrock – zusammen mit den letzten drei Überlebenden des Lagers soll es am Samstag, 2. April, um 16 Uhr eine Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof geben. Veranstaltet wird diese vom Antifaschistischen Kreisplenum Gütersloh und dem Arbeitskreis „Blumen für Stukenbrock“.

Als die US-Amerikanischen Panzer am 2. April 1945 auf das Lager zu rollten, entwaffneten sowjetische Lagerinsassen die deutschen Wachmannschaften. Bis zum endgültigen Kriegsende am 8. Mai blieben die ehemaligen Gefangenen in Stukenbrock, wo sie ihre ermordeten Kameraden und Genossen begruben und den Friedhof anlegten. Sie errichteten ein zehn Meter hohes Denkmal und fertigten Granittafeln mit Inschriften an. Der Friedhof ist einer der größten seiner Art in Deutschland. In den Jahren 1960 bis 1963 wurden auf diesem Friedhof fast alle bis dahin verstreut im Regierungsbezirk Detmold begrabenen sowjetischen Kriegstoten in 788 Einzelgräbern zugebettet. Insgesamt sind die Namen von 666 Toten bekannt. Interessant ist, dass der Friedhof und das Lager von Stukenbrock lange unbekannt waren, erst 1967 wurde er der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Noch heute sucht man den Namen Stukenbrock und die dort begangenen Verbrechen vergeblich in den Schulbüchern. Auch Entschädigungen für die haben die ehemaligen Häftlinge nie erhalten.

60 Jahre nach der Befreiung warnen das Antifaschistische Kreisplenum Gütersloh und der Arbeitskreis Blumen für Stukenbrock vor dem Vergessen, das Stalag 326 soll stets eine Mahnung sein an alle Menschen, sich immer daran zu erinnern, welche Verbrechen in der Zeit von 1933 bis 1945 von Deutschen begangen wurden. Die internationale Gedenkveranstaltung, die am Tag der Befreiung, am Samstag, 2. April, auf dem Friedhof stattfindet steht ganz im Zeichen der letzten Überlebenden. Die Gedenkrede hält Dr. Anatoli Popow, ehemaliger Botschaftsrat der UdSSR in Bonn und Mitarbeiter des Arbeitskreises Blumen für Stukenbrock. Einige persönliche Worte gibt es dann von Dimitr Orlow, ehemaliger Gefangener und Teilnehmer der Befreiung des Lagers am 2. April. Er gehört auch zu den Erbauern des Denkmals, das bereits am 2. Mai 1945 eingeweiht wurde. Sein Wunsch besteht darin, dass bis zur Feierstunde das Denkmal durch die Behörden unseres Landes wieder so hergestellt wird, wie sie es nach ihrer Rückkehr in die Heimat hinterlassen haben. Die Überlebenden hatten auf den Obelisken eine rote Fahne aus Glasplastik gesetzt, als Staatssymbol der UdSSR. Während des kalten Krieges wurde die jedoch auf Anordnung der Landesregierung durch ein orthodoxes Kreuz ersetzt. Bis heute ist die Forderung der Überlebenden tabu, die rote Fahne wieder zu errichten.

Fotos aus dem Lager und Szenen der originalen Befreiung, gefilmt von einem Berichterstatter der US-Armee werden während der Gedenkfeier gezeigt. Danach gibt es die Möglichkeit, mit den ehemaligen Gefangenen des Lagers zu sprechen.

Kritik äußert die Vorbereitungsgruppe an der Veranstaltung der Gedenkstätte, auf dem Gelände der Polizeischule. Hier ist vom 31. März bis zum 1. April eine Tagung geplant, am 1. April soll es ebenfalls eine Gedenkveranstaltung geben. Überschrieben ist die Tagung mit „Gefangenschaft und Heimkehr sowjetischer und deutscher Kriegsgefangener“. Diese Gleichsetzung von deutschen und sowjetischen Opfern ist jedoch gefährlich, sie verharmlost die Verbrechen des Faschismus und entlastet die deutschen Täter und Täterinnen.